Die Herisauer Bühne

Nach der Aufführung einiger theaterbegeisterter Herisauer regte der damalige Pfarrer Steiger die Gründung eines Theatervereins an. Am 3. April 1892 erfolgte dann die offizielle Gründung des "Dramatischen Vereins Herisau". Unter dem Einfluss der 600 Jahrfeier der Eidgenossenschaft wurde in den Anfängen vor allem Theaterstücke mit schweizergeschichtlichem Inhalt einstudiert. Mit der Inszenierung "Im weissen Rössl" anno 1901 wurde der Einstieg in die leichtere "Theaterkost" eingeleitet.

Ein Höhepunkt war aber ganz sicher das Jahr 1906! Der "Dramatische Verein Herisau" war an der Gründungsversammlung des "Zentralverbandes Schweizerischer Dramatischer Vereine" mit dabei. Denn schliesslich hatten wir damals den Anstoss zur Gründung dieses Verbandes gegeben!

1926 lautete ein Veriensbeschluss, dass auch Frauen als vollberechtigtes Mitglieder im Verein aufgenommen werden können. Zitat aus dem Protokoll: "Falls die Verieinstätigkeit länger als bis zehn Uhr nachts dauert, ist für die Begleitung der entsprechenden Damen zu sorgen".

Diese gemischte Theatergruppe führte aber zu anderen Problemen. Zitat aus Protokoll 1927: "Ein Mitglied wird von der Mitwirkung an der nächsten Aufführung suspendiert, wegen Anknüpfung eines Verhältnisses, das mit der Ehre des Vereins nicht im Einklang steht."

1942 konnte der "Dramatische Verein Herisau sein 50-Jahr-Jubiläum feiern. Ein grosses Jubelfest gab es damals nicht, war den Menschen während des Kriesges nicht gerade zum Festen zumute. Der Präsident schrieb damals im Jahresbericht: "Über unserer jüngsten Vergangenheit, über der Gegenwart, und, werweiss wie lange noch, steht das Zeichen des Krieges, das heisst: Zerstörung. Wie eine Insel im sturmdurchpeitschten Meer steht unsere Schweiz immer noch da, ein Hort der Freiheit, der Menschlichkeit und der Kultur. Wir dürfen uns noch unseres Lebens freuen. Ruhig schlafen, essen und trinken in dem durch die Rationalisierung gesteckten Rahmen, arbeiten, singen und theaterspielen. Wir dürfen auch noch kritisieren, schimpfen ..."

1951 spielte der "Dramatische Verein Herisau" die beiden Stücke "D'Finger verbrännt" und "De Hansjakob als Götti" zugunsten von Lawinengeschädigten.

Zum 100. Geburtstag der Schützengesellschat Ramsen-Moos Herisau sind Tell-Freilichtspiele aufgeführt worden. Der "Dramatische Verein Herisau" zeichnete sichfür die Spielleitung und die Besetzung der Hauptrollen verantwortlich. Die weiteren der fast 100 Mitwirkenden stammten aus verschiedenen Bezirksvereinen, wie dem gemischten Chor Ramsen, dem Kavallerieverein Gossau und der Musikgesellschaft St. Georgen-St. Gallen. Das für diesen Anlass wie geschaffene Festspielgelände befand sich in Schachen bei Herisau. Ein speziell konstruiertes Zelt bot 1200 Zuschauern einen geschützten Sitzplatz und freien Blick auf das Spielgelände.

Anlässlich des 65-jährigen Jubiläums des Vereins (1957) wurde die Delegiertenversammlung des Zentralverbands Schweizerischer Dramatischer Vereine durchgeführt.

Im März 1975 wurde den Passivmitgliedern und Gönnern mitgeteilt, dass "Dramatischer Verein Herisau" zwar ein schöner Name sei, aber nicht mehr zeitgemäss. Nach langem Hin und Her, Abstimmungen und Diskussionen stand der Beschluss fest. Der Vereinsname wird geändert zu "Herisauer Bühne".

Zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins (1992) fand erneut die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes Schweizerischer Dramatischer Vereine in Herisau statt. Das Märchen "Himmelwärts" von Ödön von Horvath wurde unter der Regie von Jörg Emmenegger aufgeführt.

1995 legte der Verein eine Pause ein. Aber bereits 1997 versuchten theaterbegeisterte Herisauerinnen und Herisauer einen Neustart. Vorerst hauptsächlich Märchenaufführungen, danach aber auch mit Erwachsenenstücken.

Die heutige "Herisauer Bühne" ist eine Amateurtheatergruppe. Wir haben uns das Ziel gesetzt, jeweils in der Vorweihnachtszeit ein Märchen aufzuführen, sowie einen Mehrakter im Frühling